Führung & Team

Wenn das Team trägt – und Führung fehlt

Wer einen Saisonjob beginnt, trifft meist zuerst auf das Team. Auf Kolleginnen und Kollegen, mit denen man Schichten teilt, Pausen verbringt und oft auch den Feierabend. In vielen Erfahrungen wird genau dieses Miteinander als tragend beschrieben. Besonders in arbeitsintensiven Phasen.

Gleichzeitig zeigt sich ein wiederkehrendes Spannungsfeld: Ein starkes Team kann viel auffangen, schlechte Führung jedoch bringt selbst gut funktionierende Teams an ihre Grenzen.

Wenn das Team trägt... und Führung fehlt

· Föhr ·

Warum Teams oft mehr Halt geben als Strukturen

In saisonalen Arbeitsverhältnissen entsteht Nähe schneller als in klassischen Jobs. Man arbeitet eng zusammen, häufig über viele Stunden, manchmal auch über Wochen ohne längere Unterbrechung. Das fördert Zusammenhalt und macht Teams widerstandsfähig.

Viele Rückmeldungen beschreiben genau das: Kollegen springen füreinander ein, gleichen Fehler aus, helfen neuen Mitarbeitenden beim Ankommen. In stressigen Momenten entsteht so etwas wie ein kollektives Durchhalten. Dieses Miteinander ist kein Bonus, es ist oft der Grund, warum eine Saison trotz hoher Belastung als positiv erlebt wird.

Teams können unglaublich viel auffangen. Gerade bei Saisonarbeit, wo Nähe schnell entsteht und man sich im Alltag stark aufeinander verlassen muss. In vielen positiven Erfahrungen ist der Zusammenhalt im Team der Grund, warum Menschen geblieben sind.

Gleichzeitig zeigt sich: Führung wirkt nicht wie ein »extra Faktor«, sondern wie der Rahmen. Wenn Führung unklar, unfair oder abwesend ist, wird das Team zum Puffer und dieser Puffer hält nicht ewig.

  • Kolleg*innen kompensieren kurzfristig Chaos, fehlende Einarbeitung oder Stressspitzen.
  • Wenn Führung kippt, kippt meist auch die Stimmung: Planbarkeit, Ton, Fairness, Konflikte.
  • Gute Teams »tragen« oft so lange, bis sie überlastet sind – dann wird’s brüchig.
  • Führung wird häufig an Alltagssignalen bewertet: Ansprechbarkeit, klare Absprachen, Fehlerkultur.

Wenn Führung zum Belastungsfaktor wird

Problematisch wird es dort, wo Führung diesem Zusammenhalt entgegenwirkt. Nicht zwingend durch einzelne Entscheidungen, sondern durch dauerhaftes Verhalten. In den Erfahrungen zeigen sich dabei ähnliche Muster:

  • Fehlende Kommunikation
  • wechselnde Anweisungen
  • öffentlicher Tadel statt klärender Gespräche
  • Ungleichbehandlung innerhalb des Teams

Solche Faktoren wirken nicht isoliert. Sie verändern das Klima und damit auch die Dynamik im Team.

Die stille Überforderung starker Teams

Ein starkes Team kann Führungslücken kurzfristig ausgleichen. Kolleginnen und Kollegen organisieren sich selbst, übernehmen Verantwortung, vermitteln bei Konflikten.

Das funktioniert – aber nicht unbegrenzt.

Viele Erfahrungen beschreiben einen ähnlichen Verlauf: Zu Beginn hält das Team zusammen. Mit der Zeit wächst jedoch die Erschöpfung. Nicht wegen der Arbeit selbst, sondern weil Verantwortung übernommen wird, ohne Rückhalt zu bekommen. Das Team trägt, aber es wird dabei allein gelassen.

Führung zeigt sich im Alltag, nicht im Titel

In den Rückmeldungen wird selten über formale Rollen gesprochen. Entscheidend ist nicht, wer offiziell führt, sondern wie Führung erlebt wird. Sie zeigt sich:

  • im Tonfall
  • im Umgang mit Fehlern
  • in der Verlässlichkeit von Absprachen
  • darin, ob Probleme angesprochen oder ausgesessen werden
    • Wo Führung präsent, ansprechbar und fair erlebt wird, bleiben Teams auch unter Druck stabil. Wo sie fehlt oder als willkürlich empfunden wird, entstehen Unsicherheit und Rückzug.

      Stimmen, die das Spannungsfeld beschreiben:

      Das Team hat vieles aufgefangen, was von oben nicht kam.

      Untereinander war der Zusammenhalt stark – bis es nicht mehr ging.

      Die Arbeit hat Spaß gemacht, aber die Vorgesetzten haben alles schwer gemacht.

      Solche Aussagen tauchen unabhängig voneinander auf. Sie beschreiben kein einzelnes Problem, sondern ein strukturelles Muster.

      Nähe, Verantwortung und Grenzen

      Besonders in saisonalen Betrieben verschwimmen Rollen schnell. Führungskräfte arbeiten mit, sind Teil des Teams, teilen Alltag und manchmal auch Unterkunft. Das kann Nähe und Vertrauen schaffen. Es kann aber auch dazu führen, dass Grenzen fehlen.

      Wo Führung nicht klar bleibt, entsteht Unsicherheit: Wer entscheidet? Wer trägt Verantwortung? Wer hört zu? Ein Team kann Nähe tragen. Unklare Führung auf Dauer nicht.

      Warum schlechte Führung stärker wirkt als gute Kolleginnen und Kollegen

      Positive Teamdynamik wirkt stabilisierend, schlechte Führung wirkt jedoch zersetzend. Der Unterschied liegt in der Richtung: Teams arbeiten horizontal auf Augenhöhe, Führung wirkt vertikal. Sie setzt Rahmen, gibt Orientierung oder entzieht sie. Wenn diese Orientierung fehlt, müssen Teams sie selbst herstellen. Das kostet Energie. Und diese Energie fehlt irgendwann dort, wo sie eigentlich gebraucht wird: in der Arbeit selbst.

      Was das für Bewerber*innen und Betriebe bedeutet

      Gute Kolleginnen und Kollegen sind ein wichtiger Faktor für eine gelungene Saison. Sie sind jedoch kein Ersatz für funktionierende Führung. Für Bewerber lohnt es sich daher, nicht nur auf das Team zu achten, sondern auch auf Hinweise zur Führungskultur:

      Wie wird kommuniziert? Wie werden Probleme gelöst? Wie wird Verantwortung verteilt? Zwischentöne sagen hier oft mehr als formale Aussagen.

      Und für Arbeitgeber heißt es: Ein gutes Team ist keine Selbstverständlichkeit. Es entsteht nicht automatisch und es bleibt nicht stabil, wenn Führung fehlt. Betriebe, die sich auf den Zusammenhalt im Team verlassen, ohne selbst präsent zu sein, überfordern genau das, was sie eigentlich stärken wollen. Führung muss nicht dominant sein. Aber sie muss spürbar sein.

      Abschließend

      Teams können tragen, sie können motivieren, auffangen und verbinden, doch sie brauchen einen Rahmen, der sie schützt. Wo dieser Rahmen fehlt, wird selbst das beste Team auf Dauer müde.



      Zurück zur Übersicht

      Zum nächsten Artikel