Wertschätzung

Fehlende Wertschätzung – einer der häufigsten Kündigungsgründe

In vielen Rückmeldungen zur Saisonarbeit taucht Wertschätzung nicht als Forderung auf. Sie wird selten laut eingefordert, kaum konkret beschrieben und fast nie theoretisch diskutiert.

Und doch zeigt sich immer wieder: Wenn sie fehlt, wird Arbeit auf Dauer schwer erträglich. Nicht, weil Menschen ständig Lob erwarten. Sondern weil fehlender Respekt den Alltag langsam aushöhlt.

Fehlende Wertschätzung: einer der häufigsten Kündigungsgründe

· Vorarlberg ·

Wertschätzung ist kein Zusatz, sondern Grundbedingung

Wertschätzung wird oft mit Anerkennung verwechselt. Mit Lob, Dank oder sichtbarer Anerkennung für gute Leistung. Doch in den Erfahrungen zeigt sich ein anderes Bild. Gemeint ist meist etwas Grundlegenderes: Ernst genommen werden, fair behandelt werden, nicht herabgesetzt werden, als Mensch wahrgenommen werden, nicht nur als Funktion.

Wertschätzung zeigt sich weniger in Worten als im Umgang.

Sie wird selten als »Lob« beschrieben, in den Erfahrungen bedeutet sie eher: respektvoller Ton, Fairness, Zuhören, ernst genommen werden. Wo das fehlt, entsteht schnell das Gefühl, austauschbar zu sein.

Auffällig ist: In schlechten Gesamterfahrungen ist fast nie nur »eine Sache« schlecht. Es ist meist ein Bündel aus Umgang, Kommunikation und Führung und genau dieses Bündel wird als fehlende Wertschätzung wahrgenommen.

  • Wertschätzung zeigt sich im Alltag: wie man angesprochen wird, wie Kritik kommt, wie fair geplant wird.
  • Menschen »gehen innerlich« oft früher als sie kündigen – Engagement sinkt, bevor der Abgang kommt.
  • Negative Reviews nennen häufig keine großen Skandale, sondern wiederholte kleine Respektbrüche.
  • Gute Betriebe werden selten als »perfekt« beschrieben sondern als »fair«, »menschlich«, »ansprechbar«.

Wie fehlende Wertschätzung erlebt wird

In vielen Bewertungen wird nicht von einzelnen Vorfällen berichtet, sondern von einem Gefühl, das sich über Zeit entwickelt. Ein Gefühl, nicht gesehen oder gehört zu werden zu werden oder nur dann Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn etwas schiefläuft. Typische Beschreibungen sind:

  • Lob bleibt aus
  • Kritik ist präsent
  • Fehler werden öffentlich thematisiert
  • Einsatz wird als selbstverständlich betrachtet
  • Rückmeldungen erfolgen nur bei Problemen

Diese Erfahrungen wirken nicht sofort. Aber sie sammeln sich.

Wenn Leistung nicht mehr trägt

Viele Menschen sind bereit, viel zu leisten. Gerade in der Saisonarbeit bringen sie Engagement, Flexibilität und Belastbarkeit mit. Anfangs wird das oft selbstverständlich eingebracht. Fehlt jedoch Wertschätzung, verändert sich etwas Entscheidendes:

Leistung verliert ihren Sinn. Nicht, weil sie zu anstrengend ist sondern weil sie nicht gespiegelt wird. Was nicht gesehen wird, fühlt sich irgendwann leer an.

Stimmen, die diesen Punkt deutlich machen:

Gelobt wurde selten.

Man hatte das Gefühl, egal wie sehr man sich anstrengt, es reicht nie.

Die Arbeit hat Spaß gemacht, aber der Umgang war respektlos.

Solche Aussagen richten sich selten gegen die Arbeit selbst. Sie beschreiben eine Erfahrung, in der Einsatz und Rückmeldung nicht mehr zusammenfinden.

Wertschätzung zeigt sich im Kleinen

In den Rückmeldungen geht es kaum um große Gesten. Wertschätzung wird dort erlebt, wo alltägliche Dinge stimmen: ein sachlicher Ton auch unter Stress, ehrliches Feedback statt Schweigen, das Einhalten von Zusagen, ein fairer Umgang mit Fehlern.

Wo diese Dinge vorhanden sind, werden Belastungen anders wahrgenommen. Wo sie fehlen, wird selbst ein machbarer Job schwierig.

Saisonarbeit ist zeitlich begrenzt, aber emotional intensiv. Menschen arbeiten eng zusammen, oft unter hoher Belastung und mit wenig Abstand zum Arbeitsplatz. In diesem Kontext wirkt fehlende Wertschätzung stärker als in langfristigen Arbeitsverhältnissen. Es gibt weniger Ausweichmöglichkeiten, weniger Zeit zur Erholung, weniger Raum, Dinge auszusitzen. Was im Alltag vielleicht ignoriert werden könnte, wird hier spürbar.

Der Punkt, an dem Menschen innerlich gehen

Viele Kündigungen erfolgen nicht plötzlich. Sie sind das Ergebnis eines schleichenden Prozesses. In den Erfahrungen zeigt sich häufig: Menschen ziehen sich zurück, reduzieren ihr Engagement, passen sich an bis sie innerlich nicht mehr verbunden sind. Die tatsächliche Kündigung kommt oft später. Der innere Abschied beginnt früher.

Was das für Bewerber*innen und Betriebe bedeutet

Wertschätzung lässt sich nicht garantieren. Aber sie lässt sich wahrnehmen. Für Bewerber bedeutet das: auf den Ton in Gesprächen zu achten, beobachten, wie mit anderen umgegangen wird und sensibel für Zwischentöne zu sein. Oft zeigt sich früh, wie respektvoll ein Arbeitsumfeld ist, lange bevor Probleme offen sichtbar werden.

Und für Arbeitgeber heißt es: Wertschätzung ist keine zusätzliche Aufgabe. Sie ist Teil der täglichen Arbeit. Betriebe, die Einsatz erwarten, ohne Rückmeldung zu geben, verlieren langfristig genau die Menschen, auf die sie angewiesen sind. Nicht aus Undankbarkeit, sondern aus Erschöpfung. Respektvoller Umgang kostet wenig. Sein Fehlen kostet viel.

Abschließend

Menschen bleiben nicht, weil sie gelobt werden. Sie bleiben, wenn sie sich ernst genommen fühlen. Wo Wertschätzung fehlt, verliert Arbeit ihren Halt. Wo sie vorhanden ist, wird selbst Belastung tragbar.



Zurück zur Übersicht

Zum nächsten Artikel